Die Schule in Hagedorn war viele Jahre lang ein wichtiger Bestandteil der Gemeinde. Sie brachte nicht nur die Gemeinden Hagedorn, Ruensiek und Kariensiek näher zusammen, sondern wurde in Zeiten der Not zu Wohnraum, zu dem Wahllokal der ersten demokratischen Wahl in Deutschland und zu einem unverkennbaren Teil des Dorfes.

Der folgende Artikel soll die Geschichte der, einst in Hagedorn gebauten, Schule so detailliert wie möglich wiedergeben. Leider tauchten bei den Recherchen einige zeitliche Abschnitte auf, die keine der Quellen füllen konnte.

Im Jahr 1902 wurden die Kinder aus Kariensiek von der Schwalenberger Schule ausgeschlossen. Das führte dazu, dass sich Pastor Wilms zu Nieheim mit der Gemeinde Hagedorn in Verbindung setzte und der Entschluss zum Bau einer eigenen Schule gefasst wurde. Die Königliche Regierung zu Minden begrüßte den Entschluss und unterstützte das Vorhaben mit einer Summe von 8.000 Mark, ungefähr der Hälfte der gesamten Baukosten. Schon im Oktober 1902 wurde die Lehrerstelle mit Heinrich Kücke aus Pelkum bei Hamm besetzt. Da es in Hagedorn keine passenden Räumlichkeiten zum Unterrichten gab, wurde für eineinhalb Jahre der Potthast’sche Saal in Ruensiek gemietet.
Im Sommer des nächsten Jahres konnten die Arbeiten beginnen und nach nur einem Jahr war der Bau abgeschlossen, sodass am 17. Juni 1904 die Einweihung stattfinden konnte. Im ersten Jahr besuchten 37 Schüler die neue Schule, unter ihnen auch die Kinder aus der Gemeinde Ruensiek, die gastweise die Schule besuchten und ein Schulgeld von 5 Mark pro Kind entrichteten.
So konnte in den nächsten Jahren ungestört unterrichtet werden. Zwar musste die Schule im Jahr 1909 wegen eines Ausbruches der Masern geschlossen werden, doch die Schule blieb von größeren Katastrophen verschont.
Die Schülerzahl nahm bis zum Jahr 1910 stetig zu. In dem Jahr besuchten 52 Schüler die Schule. Es wurden auch Ausflüge unternommen. Beispielsweise nach Detmold und an die Externsteine im Jahr 1912 oder ein Ausflug zum Abtei Marinemünster im Jahr 1913.

 

Während des ersten und zweiten Weltkriegs

1914 brach der erste Weltkrieg aus, dessen Auswirkungen auch in Hagedorn zu spüren waren. Während bereits in den ersten Tagen mehrere Männer für den Krieg eingezogen worden waren, wurde in den Schulen eine wöchentliche Kriegsbetstunde abgehalten, an deren Ende Geld für das Rote Kreuz gesammelt wird. Hier offenbart sich nun eine der angesprochenen Lücken in den Aufzeichnungen. Die Geschichte der Schule setzt erst im Jahr 1938 wieder ein, als Lehrer Kücke sich in den Ruhestand verabschiedet. In einer Zeit in der Deutschland unter der Herrschaft Hitlers und seines NS-Regimes stand, übernahm seine Nachfolge Lehrer Linneweber aus Alverdissen, der allerdings bereits im nächsten Jahr zur Ausbildung für den Heeresdienst eingezogen wird. Lehrerin Nolte aus Rolfzen übernahm nun die Lehrerstelle an der Schule in Hagedorn. Zwei Monate später, am 1. September 1939 begann mit dem Überfall auf Polen der zweite Weltkrieg.
Während der Krieg in Europa wütet, bleibt der Schulbetrieb im Gange. Die Schüler werden durch einen Wettbewerb damit beauftragt Heilkräuter für die Verwundeten zu sammeln. Bei diesem Wettbewerb erreicht die Hagedorner Schule, 1941 im Amt Steinheim, den ersten Platz. Die Ausstattung der Schule wird sogar um einen Filmapparat ergänzt, der Grund  lässt sich im politischen Kontext der Zeit erahnen.
Im Jahr 1944 mussten die Schüler die Felder Hagedorns auf Watte absuchen, da die Alliierten Kartoffelkäferlarven in Watte eingewickelt über den deutschen Feldern abgeworfen haben sollen. Gefunden wurde jedoch nichts. Am 1. April 1945 übernahm Lehrerin Papenheim aus Bochum die Verwaltung der Schule, welche jedoch am 5. April 1945 bereits geschlossen wurde, da die amerikanischen Truppen einmarschierten.
Am 24. September 1945 wurden der Schulbetrieb für die Grundschulen und am 17. Oktober 1945 für die Oberstufen, unter der Leitung von Lehrer Koch, wieder aufgenommen. Jedoch verließ auch Lehrer Koch die Schule nach relativ kurzer Zeit. An seine Stelle trat im Jahr 1946 Lehrer Falkenberg, der aus seiner Heimat in Ostpommern fliehen musste und der Schule in Hagedorn zugeteilt wurde.

 

Nach dem zweiten Weltkrieg

Der Unterricht nach dem Krieg gestaltete sich als schwierig. Die bisher verwendeten Bücher waren verboten und entfernt worden. Die neuen Bücher waren noch nicht da. Schreibhefte gab es auch keine, sodass die Kinder auf Tafeln und Dachschiefern schrieben. Wandtafelkreide war ebenfalls knapp. Auch der Filmapparat wurde abgeholt.
Im April 1946 fand eine Abstimmung über die „religiöse Schulfrage“ statt. Einstimmig wurde der Erhalt der konfessionellen Schule beschlossen. Allerdings war das nicht die einzige Abstimmung des Jahres. Am 15. September 1946 fand die, seit 1933 erste, geheime und unbeeinflusste Wahl statt, für deren Abhaltung das Schulgebäude genutzt wurde. Bei dieser Gemeinde- und Amtswahl wurde allerdings nur eine Wahlbeteiligung von 66% festgestellt. Die nächste Wahl, die in der Schule abgehalten wurde, folgte schon ein Jahr darauf.
Am 20. April 1947 wird die Schule zum Wahllokal der Landtagswahlen. Mit 35 Stimmen war die CDU die stärkste Partei in Hagedorn und die Wahlbeteiligung blieb mit 67% erneut gering. Die Schülerzahl lag mittlerweile bei 58 Schülern, einige von ihnen Flüchtlinge des Krieges, deren Familien in Hagedorn Zuflucht gefunden hatten. Bei einer Weihnachtsfeier, die für die Flüchtlinge veranstaltet wurde beteiligten sich die Schüler mit Chorgesang und dem Vortragen von Gedichten. Das Schulgebäude bekommt in den Jahren 1948/49 eine Sanierung, bei der einige Bauschäden behoben  werden. Außerdem wird das Dachgeschoss der Schule als zusätzlicher und durch die Flüchtlinge als neue Bewohner der Gemeinde, dringend benötigter Wohnraum erschlossen. Die Regierung unterstützte die Baumaßnahmen mit 2.100 DM. Leider findet sich auch hier, bis zur Schließung der Schule, eine Lücke in den Aufzeichnungen. Der Unterricht in der Schule endet im Jahr 1965, mit dem Abschluss des letzten Jahrganges.
Im Jahr 1979 wird durch den Verkauf des Schulgebäudes für 96.000 DM der Bau einer neuen Friedhofskapelle mitfinanziert.
Heute befindet sich das ehemalige Schulgebäude in Privatbesitz.